Geschichte der Bürgerwehr Ettlingen

Hier können Sie eine Übersicht der Geschichte und Historie der Bürgerwehr Ettlingen nachlesen. Eine ausführlichere und weitaus detailliertere und durchweg interessante Geschichte (und Geschichten) sind vom Archivar der Bürgerwehr, Michael Schulz zu erfahren. Seiner Ausführung eines geschichtlichen Rückblicks des Vereins (veröffentlicht in den Ausgaben des Amtsblattes Ettlingen, Ausgaben 20 bis 29 im Jahr 2002) liegt auch diese Übersicht zugrunde.


1715 bis 1849

Im Jahre 1715 verlegte die Markgräfin Sybilla Augusta von Baden-Baden ihren Witwensitz nach Ettlingen. Ihr zu Ehren wurde eine Bürgergarde gegründet, bestehend aus zwei Kompanien, Reiterei und Fußtrupp.

1755 folgte eine Musikabteilung. Ungefähr 30 Jahre später, 1782, erhielt die Garde per Dekret die Aufgabe, in der Stadt und ihrem Umland hoheitliche Schutzdienste wahrzunehmen. Somit erhielt sie nun den Charakter einer Militärpolizei. Als dann 1792 die Gefahr eines französischen Einmarsches drohte wurde die Bürgergarde dem Landsturm zugeteilt und nahm wohl am "Battaille de Etlingen" (s. Inschrift Triumphbogen, Paris) bei Malsch teil. Alle Garden und Milizen Badens bekamen 1801 die Aufgabe des Streifkommandos übertragen, als Napoleon 1806 im Ettlinger Schloß weilte, ist auch die Bürgergarde Ettlingens zum Empfang angetreten.

1830 wurde die Garde zum Empfang des frisch vermählten erbgroßherzoglichen Paares Leopold und Sophie (Großherzugtum Baden) in ihre noch heute getragene Uniform eingekleidet (scharlachroter Rock mit hellblauen Aufschlägen, weißes Beinkleid, schwarzer Tschako). Der damalige Kommandant Florian Buhl sowie der Rittmeister der Kavallerie, Dr. Kühn, bekamen vom Prinzenpaar jeweils einen Ehrendegen, wovon noch heute der Buhl’sche Degen erhalten ist und vom Kommandanten der Bürgerwehr getragen wird. Zudem stiftete Leopold eine Fahne, in den Farben schwarz-rot, mit goldener Fransenumrandung und einem Doppeladler am Fahnenstock. Diese Fahne, heute im Albgaumuseum ausgestellt, erlebte hautnah ein Stück Demokratie und deutscher Geschichte, da sie nach der Überlieferung vom Ettlinger Revolutionär Philipp Thiebauth mit zur Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche genommen wurde (1848/49).

Im Jahr 1848 wurde die Garde auch schon im Zuge der Märzrevolution zu einer schlagkräftigen Truppe umgebildet, die Uniform bestand nun aus blauen Röcken und Schildmützen mit Haarbüscheln, über 100 Gewehre wurden dabei angeschafft, wovon heute noch eins erhalten ist. Die ehemalige Bürgergarde die einstmals vom Adel ins Leben gerufen wurde hieß nun fortan Bürgerwehr und vertrat das demokratische Freidenken der damaligen Zeit mit Gewalt und der Beteiligung an der Revolution. Als dann auch noch die Volksbewaffnung begann, trat der Kommandant Franz Buhl zurück, in die Schlacht führte die Wehr nun Philipp Thiebauth. Nach der schnellen Niederschlagung der Revolution durch die preußische Armee wurde die Bürgerwehr Ettlingen (neben vielen anderen Wehren und Milizen) aufgelöst.

1927 bis 1945                                                                                                                                                
Im Jahre 1925 wurde Ettlingen bei einer Festivität von der Bürgerwehr Bretten besucht, dieses Ereignis blieb in bester Erinnerung, so wurde im Rahmen des 700 jährigen Bestehens Ettlingens, obgleich schon länger einer Wiedergründung bedacht, die Bürgerwehr Ettlingen wiedergründet. Am 13. September 1927 trafen sich 32 Bürger um die Herren Karl Schmidt, Wilhelm Holzschuh, Karl Walter und Josef Braun in der Gastwirtschaft "Rose" (dem Geburtshaus Philipp Thiebauths). Erster Auftritt der neuen Wehr war der Umzug beim Feuerwehrfest im September 1927. Danach folgte die 700 Jahrfeier, bei der der Bürgerwehr zum ersten Mal erlaubt wurde, die erste Fahne von 1715 sowie die Fahne von 1830 mitzuführen. Ende des Jahres kamen noch einige Ausrüstungsgegenstände hinzu, so stellte der Enkel von Florian Buhl, Rudolf Buhl, den Ehrendegen des Prinzen Leopold zur Verfügung. Weiterhin tauchte eine alte Marschtrommel von 1755 auf, der Kriegerverein Ettlingen übergab Gewehre aus dem Jahr 1871. Langsam aber sicher etablierte sich die Bürgerwehr Ettlingen als Verein des Brauchtums, es folgte noch die Teilnahme an der Eröffnung des Heimatmuseums im Schoß und die Gründungsfeier des Hotels Erbprinz. Im März 1928 fand eine erste Versammlung statt, in einem Eckzimmer des Schlosses Ettlingen, der Raum wurde vertraglich zum Vereinsheim der Wehr (und blieb dies bis 1976). Im Juli 1928 folgte dann auch der erste auswärtige Auftritt, beim Stiftungsfest der historischen Schützengilde Bretten. Zwei Jahre später wurde im Mai das 100jährige Jubiläum der Leopoldfahne (s.o.) gefeiert, die Fahne ging damit auch wieder in den Besitz der Wehr über (vorher Gemeindeverwaltung). Am 13.7.30 fand "Badens Heimattag" in Karlsruhe statt, ein ungeheuer großes Fest, bei dem etliche Wehren und Milizen anwesende waren. Bei dieser Veranstaltung wurde mehr und mehr über die Gründung eines Landesverbandes diskutiert, so wurde 4 Tage später eine vorläufige Landesvereinigung gegründet und Hptm. Kopf aus Zell a. Harmersbach wurde vorläufiger Geschäftsführer. Am 15.2.31 wurde die Landesvereinigung dann in Villingen gegründet, wobei vielleicht auf die Enge Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Verband hingewiesen werden kann, so wurde die Satzung dieses Verbandes in den Badischen Verband übernommen. In Ettlingen gab es derweil eine Dauerleihgabe des Militärvereins, im Juni 1930 wurden der Bürgerwehr etliche Gewehre überlassen, von denen heut noch 2 erhalten sind. Im August `30 wurde dann auch die Kapelle des Löwenwirts August Krause voll in die Bürgerwehr integriert.

Nachdem der Landesverband`31 gegründet war, ging es 1932 trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage voran, mehrere große Unternehmungen wurden begonnen. Der 1. Mai wurde traditionell gefeiert, ebenso die alljährliche Fronleichnamsprozession. 1939 gab es neben dem Fronleichnamsprozess in Ettlingen noch eine Veranstaltung an der Ettlingen teilnahm, das Landestreffen des Württembergischen Verbandes. Im September begann der Zweite Weltkrieg, die meisten Kameraden wurden eingezogen, es gab bis Kriegsende nur noch sporadische Treffen oder Teilnahme an Ettlinger Veranstaltungen. Im Juli 1941 wurde mit den verbliebenen Kameraden dem verstorbenen Bürgermeister Kraft das letzte Geleit gegeben. 1944 fand allerdings noch mal eine Besprechung statt, alle Kommandanten trafen sich in Bretten. Offizielle Aufzeichnungen der Besprechung gab es nicht, jedoch war allen klar in welchen Bahnen der Krieg sich befand, und das „die Alten nun alles erforderliche tun müssten, damit die Bürgerwehren nach dem Krieg noch eine Zukunft hätten“. Nach Kriegsende, in Ettlingen waren die Franzosen einmarschiert, konnten nur wenige Dinge gerettet werden, darunter 2 Gewehre, 3 Fahnen, einige wenige Uniformen, der Degen Buhls, kleinere Ausrüstungsgegenstände, sowie das Archiv. Alles andere wurde geplündert und teilweise auf dem Schlosshof verbrannt. Der größte Verlust unter den Feuerplünderungen war die alte Marschtrommel von 1755. Nach und nach stellte sich heraus das mehr als 20 Kameraden an den Fronten des Krieges ihr Leben ließen. 1946 bis heute

In diesem Jahr wurde auch das 105 jährige Feuerwehrfest begangen, wobei die traditionelle enge Verbundenheit der Bürger- und Feuerwehr zum Vorschein kam, so wurde dort zusammen mit der Feuerwehr der Grundstock der Bürgewehrmusik gelegt. 1954 wurde weiter in diese Arbeit investiert, zu jedem auswärtigen Fest konnte man einen Musikzug präsentieren.

Unter Kommandant Erich Hallbauer, der 21 Jahre die Bürgerwehr leitete (seit 1953) wurde dann 1966, nach Auflösung des Spielmannszugs der Feuerwehr, ein Fanfarenzug gegründet, der bis 1975 bestand. Ein Jahr zuvor, 1965, feierte die Wehr ihr 250jähriges Bestehen, wieder verbunden mit dem Landestreffen. Später, 1974, musst die Wehr den schmerzlichen Verlust ihres Kommandanten ertragen, der ehemalige Reiterkamerad Kurt Stehr schickte sich an diesen wichtigen Posten zu übernehmen. Da in diesen Jahren das Schloss einer dringenden Renovierung bedurfte, musste man kurzerhand ein neues Vereinsheim finden, dank Kurt Stehr fand sich die Bürgerwehr baldigst im „Höpfnerhaus“ ein (wurde abgerissen, Standort war ungefähr dort wo heute der Platz mit dem kleinen Brunnen beim Bahnübergang Erbprinz ist). Die folgenden Jahre waren wieder geprägt von fleißiger Teilnahme an etlichen Festen und Veranstaltungen, so fand auch 1978 das dritte Landestreffen in Ettlingen statt, 1982 dann verstarb der Kommandant dann leider, Hans Bandel, Ehrenkommandant und Gründungsmitglied `27 übernahm kommissarisch das Amt, verstarb aber ein halbes Jahr später ohne das ein Nachfolger gefunden werden konnte. Innerhalb von drei Jahren gab es dann mehrfache Wechsel, bis dann 1985 Gerhard Schulz diesen Posten übernahm. Durch seine Kommandantur konnte wieder Ruhe in den Verein gebracht werden, und 1987 übergab er das Amt an einen Jüngeren, Paul Kolossa, der bis heute Kommandant der Bürgerwehr ist. Unter ihm wurden zunächst die Vereinsräume in der Schillerschule renoviert und erweitert, 1992 fand dann das vierte Landestreffen im Rahmen der 800 Jahr Feier Ettlingens statt, im Verlauf der weiteren 90iger Jahre nahm die Bürgerwehr Ettlingen an vielen Veranstaltungen, Treffen und Auftritten im In- und Ausland teil, ein Höhepunkt war das Jahr 1997, als zum 70jährigen Wiedergründungsfest die komplette Wehr aus Bretten sowie von allen 22 Wehren und Milizen des Landesverbandes Abordnungen erschienen.

Im neuen Jahrtausend wurde die Bürgerwehr um weitere Abteilungen bereichert, die Fastnachtsgruppe "Horbachdeifl" wurde gegründet und band neue Mitglieder an sich oder brachte alte wieder näher an den Verein. Die Abteilung der Trachtengruppe ist wieder erstarkt, und bildet eine feste Größe bei unseren Auftritten. Als neueste Attraktion hat die Bürgerwehr eine Abteilung Artillerie eingeführt, da der Verein seit Sommer 2005 eine Kanone besitzt.